Die pure Gegenwart

Extra | GEORG SEESSLEN | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

BUENOS AIRES In seinem Meisterwerk "Assassination Tango" verliert Regisseur Robert Duvall sich als amerikanischer Auftragskiller im Rhythmus der argentinischen Hauptstadt. 

Assassination Tango", ein Film von lakonischer Poesie, verrät in seinem Titel beinahe alles und fast nichts. Wie bei einer Shortstory oder einem Rocksong sind die scheinbar eindeutigen Worte trügerisch. Es geht um Mord, und es geht um Tango, okay. Aber nicht um Tangomorde oder Mördertango, nicht um gemeinsamen Mythos. Vor allem geht es um etwas, das dazwischen liegt. Eine Reise, eine Empfindung, die Sehnsucht vielleicht.

  Da ist dieser Mann in New York, weiß Gott nicht mehr der Jüngste. Die grauen Haare zum Pferdeschwanzstummel gebunden. Der Mann hat Glück gehabt. Mit einer netten jüngeren Frau und ihrer kleinen Tochter, die er abgöttisch liebt, der er Reitstunden bezahlt, mit der er zum Tanzen geht und die er von der Schule abholt. Man ahnt vielleicht, wie viel schief gelaufen ist, nicht nur im Leben dieser


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