Wie der Blick eines Neugeborenen

Extra | HANS SCHIFFERLE | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

RETROSPEKTIVE In den Sechzigerjahren hat Andy Warhol das Kino noch einmal erfunden. Eine breit angelegte Werkschau zeigt, warum Warhol wichtig ist. 

Warhol ist heute überall zu spüren, zugleich ist er so fern wie nie zuvor. Man braucht nur in irgendeine TV-Reality-Soap oder eine neue Ausgabe von "Big Brother" mit all den Stars für 15 Minuten hineinschauen, schon findet man Warhols Prophezeiungen wieder. Selbst die scheinbare Pluralität im Fernsehen wie im Kino trägt Warhol'sche Züge. Die vielen TV-Kanäle, die unzähligen Säle in den Multiplexen: Sie sind Wiederholungen des Immergleichen mit winzigen Unterschieden - so wie Warhols gemalte Campbell-Suppendosen, die sich nur in der Etikettierung unterschieden haben. Und doch ist uns heute die Essenz der Warhol-Kunst und -Philosophie fremder als ein Gemälde aus der Renaissance. Es ist wahrscheinlich der heftige Warhol'sche Umgang mit der Zeit, die ewig langen Einstellungen auf ein Objekt, die unseren heutigen, von ultraschnellen Schnittfolgen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige