LOST & FOUND

"Coming Apart" (1969)

Extra | GERHARD MIDDING | aus FALTER 40/05 vom 05.10.2005

Eine Kardinaltugend der Viennale ist traditionell die Korrespondenz, die kundige Assoziation des Disparaten. Filme unterschiedlicher Abkunft treten in Dialog miteinander; die Filmgeschichte darf hier stets ihre Aktualität beweisen. "Coming Apart", Milton Moses Ginsbergs film maudit von 1969, ist mithin im heurigen Programm bestens aufgehoben: Er flankiert die Warhol-Retrospektive, trägt Einflüsse von Antonioni, Cassavetes, Ichikawa und Resnais wie eine Monstranz vor sich her und nimmt visionär die Trostlosigkeit des Reality-TV vorweg.

  Das Regiedebüt des gelernten Cutters Ginsberg stieß seinerzeit bei der Kritik praktisch durchgehend auf Ablehnung - "Wenn Sie niemals ernsthaft Selbstmord erwogen haben, ist dieser Film nichts für Sie", riet Gene Siskel beispielsweise seinen Lesern - und wurde erst drei Jahrzehnte später nach einer Vorführung im Museum of Modern Art rehabilitiert. Sein Tagebuchfilm erschien auf dem Höhepunkt der sexuellen Revolution als eine höchst unwillkommen


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