Die Rathausmaschine

Politik | FLORIAN KLENK, JULIA ORTNER und NINA WEISSENSTEINER | aus FALTER 41/05 vom 12.10.2005

WIENER WAHL Michael Häupl wird Bürgermeister bleiben. Die Wiener sind zufrieden mit ihrem Rathaus. Denn es ist nicht nur omnipotent, sondern auch straff organisiert. Anatomie einer roten Bastion. 

Im April 1945 stehen im Park noch die Stalinorgeln, als ein hungriger Bursche das Rathaus aufsucht, um ein Goldstück gegen eine Scheibe Brot zu tauschen. Bombardiert und kohlschwarz ragt der einstige Prunkbau empor, die Fenster zerschossen. Der Rathausmann auf der Turmspitze ist durchgerostet und wird nur noch von seiner Lanze zusammengehalten. Am Eingang wachen russische Soldaten, drinnen, in den Höfen, schnauben ihre Rösser. "Dieses mächtige dunkle Gebäude hat mir Respekt eingeflößt", erinnert sich der Mann heute, das Haus habe etwas "Unheimliches" gehabt. Vier Jahrzehnte später sollte er dort als Bürgermeister einziehen und für zehn Jahre die Stadt regieren. Der junge Mann von damals hieß Helmut Zilk.

  Heute ist das Rathaus - einst von Friedrich von Schmidt erbaut, ehe 1883


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