Weil sie eine Hure ist?

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 41/05 vom 12.10.2005

Gericht Wie die Wiener Staatsanwaltschaft eine traumatisierte Leopoldstädter Prostituierte verfolgt. 

Das Charakteristische an der österreichischen Strafrechtspflege ist, dass sie Zweifel schafft, ob man die richtige oder die falsche Anwendung des Gesetzes beklagen soll." Das schrieb Karl Kraus im Jahr 1904 und beklagte in "Sittlichkeit und Kriminalität" das Vorgehen der damals frömmlerischen Wiener Strafjustiz, die vor allem dann, wenn es um Huren ging, einschlägig voreingenommen war.

  Was sich in den letzten hundert Jahren geändert hat? Neulich bat ein Wiener Staatsanwalt in einem Prozess um Milde für einen von ihm selbst angeklagten Vergewaltiger. Die Hure, die der Mann gequält hatte, würde doch "unter einer Vergewaltigung nicht so leiden wie ein Bürgertöchterl", argumentierte er. Für so viel Verständnis hatte die Justizministerin nichts übrig - und hängte dem Mann ein Disziplinarverfahren an.

  Nun zeigen Wiens Ankläger, dass es eben auch ohne Milde geht. Angeklagt


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