Operation Lebenskunst

Politik | ROBERT MISIK | aus FALTER 41/05 vom 12.10.2005

ESSAY Das Prinzip der herrschenden Arbeitsmarktpolitik lautet: Weil es keine Jobs gibt, muss man die Arbeitslosen zur Annahme eines Jobs zwingen. Klingt irgendwie absurd? Man sollte sich von so offenkundig unsinnigen Praktiken verabschieden. 

Manuel* muss jetzt häufiger aufs Amt. Besser: Ins Job-Center, so heißt das Arbeitsamt in seinem Heimatbezirk Prenzlauer Berg in Berlin seit den Hartz-Reformen. Manuel hat in der DDR Philosophie studiert, aber nach der Wiedervereinigung gab es für jemanden wie ihn keine Stellen mehr. Seit zehn Jahren lebt er von Sozialhilfe. Mittlerweile ist er 48 Jahre alt. Einen wirklichen Job hatte er in seinem ganzen Leben nicht gehabt - und jeder weiß, er wird auch nie einen finden.

  Dennoch muss er sich vom Desk-Manager - dem Betreuer im Job-Center - piesacken lassen. "Herr Doktor, wissen Sie eigentlich, wie man sich bewirbt?", hat der ihn unlängst gefragt.

  Dabei ist Manuel keiner, der einfach abhängt. Er tut dies und das - er arbeitet ehrenamtlich


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