SPIELPLAN

Kultur | PETER FUCHS | aus FALTER 41/05 vom 12.10.2005

Halt! Schrecklich! Aufhören!" Das Publikum darf trainieren, seine Angst zu artikulieren. Denn eines ist klar: Am Ende holt sich der Mörder einen Zuschauer. Das Bernhard Ensemble zeigt "Angst oder die Liebe zu Serienmördern" (bis 12.11.). Frau Edna erklärt in ihrer Küche, warum Frauen auf Mehrfachmörder abfahren. Etwas Volkshochschule, etwas Kunsthandwerk. Aber egal: Grandios fetzt Grischka Voss als Edna durch den Abend in der Stadtinitiative Wien. Optisch eine Schwester von Dragqueen Miss Candy, klimpert sie effektvoll mit den falschen Wimpern und überrascht mit ausgeschlagenen Zähnen. Virtuos moderiert sie das Publikum und zieht es hysterisch auf Ednas Seite. Ein Höhepunkt ist, wenn Voss Bassenatratsch im Papageiensingsang persifliert. Auch Ednas aktueller Serienmörderabschnittspartner wird in Ketten vorgeführt, kriegt Kekse zur Beruhigung und darf ein Kätzchen abschlachten, damit er nicht aus der Übung kommt. Am Schluss geht das Licht aus. Halten die Ketten? Und schon ist sie da: die Angst. Das macht Spaß.

Im dietheater Künstlerhaus spielt man auch Volkshochschule. Die Gruppe Einmaliges Gastspiel präsentiert "Unter Berücksichtigung der Langstreckenflugkörper für den Weltfrieden" (bis 22.10.) und will Erkenntnis vermitteln. Mächtige Textmassen werden gegeneinander gewuchtet: die UNO-Resolution Nr. 1441, Thukydides und Plato. Es geht um den Krieg, damals (Peloponnes) wie heute (Irak). Die ambitiöse Dramaturgie wird aber zwischen oberflächlichen Inszenierungsideen zermalmt. Und zerbröselt mit viel Crossover wie Sprechchor, Videozuspielungen und einer ratlos stimmenden Tanzperformance. Man sieht bedeutungsvolle Blicke, hohle Gesten und den spannenden Konflikt des berühmten Melierdialogs bis zur Unkenntlichkeit verspielt. Nur Lilly Friedrich als Sokrates vermittelt, dass sie weiß, was sie spricht. Fazit: Krieg ist schlecht und bringt der Menschheit Leid und Elend. Damals wie heute. Aber für diese Bilanz ist der Abend wie sein Titel: zu lang.


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