STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 41/05 vom 12.10.2005

Einen Stoß Fragebögen unter dem Arm, versucht ein Mädchen, Passanten aufzuhalten. Doch auf ihr gehetztes "Haben Sie Zeit?" bleibt keiner stehen. Erst wenn sie direkt fragt: "Glauben Sie, es wird besser?", wenden sich die Leute um, schauen irritiert, schütteln den Kopf. Sandra Gugliottas "Ein Glückstag" ("Un día de suerte") entstand 2001/02, zu einem Zeitpunkt, als Argentiniens Wirtschaft gerade zu Boden ging. Wie ihren Landsleuten Diego Lerman ("Tan de repente") und Lucrecia Martel ("La ciénaga") muss man Gugliotta alle Achtung zollen, unter solchen Umständen überhaupt ihren Debütspielfilm realisiert zu haben. Doch eine wirklich eigene Handschrift findet sie - im Gegensatz zu den beiden genannten Kollegen - dabei nicht. Das eher banale Selbstfindungsdrama einer Mittzwanzigerin (Valentina Bassi) würzt Gugliotta mit "politischen" Details: ein Kamerablick zu Boden, auf das ramponierte Kopfsteinpflaster, Piqueteros, Demonstranten, die "Wir wollen Strom" skandieren - verwaschene Videobilder aus den Nachrichten wechseln mit selbst gedrehtem, zwanghaft verwackeltem 16-mm-Material. Das Aktualitätenpanorama dient dabei vor allem als emotionale Hintergrundtapete: Chaos innen, Chaos außen - ich lieb dich, ich lieb dich nicht, und da hinten brennen schon wieder die Reifen. Wie war das noch mit dem Anspruch, politische Filme zu machen?

  Szenenwechsel. Am 13. Oktober ist im Top-Kino Hammer-Film-Night. Nicht zu verwechseln mit den ähnlich lautenden Horror-B-Pictures, geht es dabei um die Arbeiten der Amerikanerin Barbara Hammer, einer Pionierin des lesbischen Experimentalkinos. In Anwesenheit der Regisseurin wird deren dokumentarische Zeitreise durch verschiedene Phasen gesellschaftlich unterdrückter Frauenliebe, "Nitrate Kisses" (1992), gezeigt. Anschließend: Ein Überblick über Hammers 16-mm-Kurzfilmschaffen, darunter die ebenso lyrische wie explizite Studie zur lesbischen Sexualität "Dyketactics" (1974) und Hammers legendärer filmischer Totentanz "Vital Signs" (1989).


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