KNECHT

Wie ich Bürgerin wurde


DORIS KNECHT
Politik | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

Kürzlich marschiere ich des Abends ganz allein gegen Wolfs feines Restaurant, da kommt mir der Chelsea-Othmar entgegen, und Mensch, den hab ich lang nicht mehr gesehen, was heißt, Jahre. Die Freude ist also ganz meinerseits, und die Begegnung mit einem Wirt aus meinen früheren Tagen kitzelt die in mir ruhende anarchistische Veranlagung wach, und ohne Rücksicht auf Verkehrsgebote quere ich die Straße, die zwischen mir und dem Othmar liegt und werde sogleich mit einer sauber gewaschenen Standpauke empfangen, ob ich narrisch geworden bin, es ist rot! Rot! Überqueren verboten! Und während ich mich noch frage, bemerke ich die Neunjährige an Othmars Seite, und natürlich, das ist seine Tochter, und der Othmar tut, was ich auch tue, wenn ich mit meinen Kindern an einer roten Ampel stehe, er schickt praktisch jeden schnurstracks ins Gefängnis, der etwas derart Kriminelles anstellt, wie bei Rot über die Straße zu gehen. Böse Frau.

Denn während wir älter oder Eltern werden, gehen uns

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