Fragen Sie Frau Andrea

Carl Barks Problem

Stadtleben | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

Liebe Frau Andrea,

ich habe mir in einem Anfall von Großbürgerlichkeit die limitiert aufgelegte "Carl Barks Collection" gekauft. Bei Lieferung des ersten Zehntels musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass wider Erwarten und Erinnerung nicht die originale Schrift Carl Barks' verwendet wurde, sondern eine mir unbekannte mit Klein- und Großbuchstaben. Kann ich den Verlag wegen seelischer Grausamkeit klagen, oder soll ich den Comicklotz am Bein kommentarlos zurückschicken? Mit zitternden Fingern,

Peter Hörmanseder,

Margareten

Lieber Peter,

ich fürchte, wir stehen vor einem unlösbaren Dilemma. Der wunderbare Carl Barks, Zeichner und Schöpfer unvergesslicher Geschichten und Figuren vom Schlage Dagobert Ducks (Scrooge McDuck), Daniel Düsentriebs (Gyro Gearloose) und der Panzerknacker (Beagle Boys), lange Zeit nur unter dem Epitheton "the good artist" bekannt, hat die Sprachblasen Ihrer Kindertagecomics gar nicht mit Buchstaben gefüllt. Das machte nämlich seine Frau Garé. Die deutschen Texte Ihrer Duck-Kindheit stammen von der genialen Germanistin Dr. Erika Fuchs und wurden von unbekannten Kalligrafen deutsch gelettert, diesmal bedauerlicherweise in "erwachsenengerechter" Groß-Klein-Schreibung. Einen Ausweg gibt es, Peter! Üben Sie Garé Barks' Originalschrift, legen sie sich Tuschefedern Serie B der Marke Speedball zu und lettern sie sich Ihre Barks-Edition in die Kindheit zurück.

dusl@falter.at


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