Verdichtete Leere

Extra | Kurt Palm | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

200. GEBURTSTAG Adalbert Stifter (1805-1868) wird noch immer gerne als biedermeierlicher Käfer- und Butterblumendichter missverstanden. Wer genauer liest, kann sich vom Gegenteil überzeugen. 

Dieser Tage hatte ich mit einem Padre des Stiftes Schlägl im Mühlviertel ein kleines Streitgespräch, bei dem es um die Frage ging, ob Adalbert Stifter Nihilist gewesen sei. Ausgangspunkt der Debatte war die - sehenswerte - Ausstellung "Vom Grund aller Dinge" in Aigen-Schlägl, in deren Mittelpunkt Stifters Naturperspektiven stehen.

  Der Padre vertrat die Meinung, dass gerade an Stifters Verhältnis zur Natur dessen tiefer Glaube sichtbar werde; ich gab dagegen zu bedenken, dass Stifters Naturschilderungen nichts anderes seien als der verzweifelte Versuch, dem Horror Vacui mit Worten beizukommen. Außerdem, so mein Einwand, sei es ein Unterschied, ob jemand seinen Glauben gefunden habe oder um diesen Glauben ringe und dabei scheitere.

  Nicht zufällig kreist Stifters autobiografisches Fragment


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