Der Täter in uns

MARTIN DROSCHKE | Extra | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

SOZIALPSYCHOLOGIE Harald Welzer analysiert, wie leicht Menschen zu Massenmördern werden können. 

Gewiss, der Holocaust war in seinen unbegreiflichen Dimensionen einzigartig. Diese Einmaligkeit sollte aber nicht zum falschen Schluss verleiten, dass eine derart perfekte Tötungsmaschinerie nur von außergewöhnlich sadistischen Leuten betrieben werden konnte. Der Sozialpsychologe Harald Welzer, Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research in Essen, verweist in seinem neuesten Buch über den Tötungsalltag im Dritten Reich darauf, dass den Hauptangeklagten der Nürnberger Prozesse eine völlig normale Persönlichkeitsstruktur und sogar eine hohe emotionale Intelligenz bescheinigt wurde. Das Einzige, was sie vom statistischen Mittelmaß unterschied, war ihre Kreativität - eine eigentlich sehr positive Eigenschaft.

  Offenbar konnte in der NS-Zeit jeder zum Täter werden. Zumal in der von Welzer rekapitulierten Anfangsphase des Holocaust, in der Gaskammern noch nicht existiert

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