NARRATOLOGIE

Erzählmotive des Mittelalters

Extra | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

Schwerter, die sich nur von einem bestimmten Helden schwingen lassen, feuerspeiende Drachen, Ringe, die Flugkraft verleihen - das sind Erzählmotive, wie sie aus Märchen und anderen Volkserzählungen, aber auch aus der mittelalterlichen Literatur bekannt sind. Basierend auf dem von dem US-Amerikaner Stith Thompson in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts entwickelten System zur Katalogisierung und Kategorisierung von Erzählmotiven (eine Buchstaben-Ziffern-Kombination) erstellten die Wiener Mediävisten Karin Lichtblau, Christa Tuczay, Ulrike Hirhager und Rainer Sigl unter der Leitung von Helmut Birkhan den "Motif-Index of German Secular Narratives from the Beginning to 1400", dessen erste zwei Bände nun erschienen sind.

  Hier finden sich die fast motivreichsten Texte der mittelhochdeutschen Literatur, die Matière de Bretagne - also der Erzählkreis um den König Artus -, in englischsprachigen Exzerpten vertreten. Weitere Bände - zu den Chansons de Geste (also den Geschichten um Karl den Großen), den Antikenromanen, den höfischen Romanen, den Mären und Novellen und der Alexanderdichtung - sind in Vorbereitung. Der letzte Band ist der interessanteste: das Register. Denn damit findet man dann querbeet alle Zauberhüte, Schätze, Spiegel, die die Zukunft zeigen, und wonach der Sagen- und Märchenforscher, die Ethnologin, die Germanistin und andere Interessierte auch suchen mögen.

Motif-Index of German Secular Narratives from the Beginning to 1400, Vol. 1 u. 2: Matière de Bretagne. Unter der Leitung von Helmut Birkhan herausgegeben von Karin Lichtblau und Christa Tuczay, unter der Mitarbeit von Ulrike Hirhager und Rainer Sigl. New York 2005 (Walter de Gruyter), je E 198,-


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