Äffische Gnadenlosigkeit

Steiermark Kultur | COLETTE M. SCHMIDT | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

THEATER "Menschensohn oder Affe Maria" und die Bestie, der Mensch. 

Mozart steigert die Milchproduktion bei Rindern. Die Hölle der Monotonie im Herzen aber, die steigert den Bierkonsum. Zumindest lehrt das der Affe Maria, den Max Gad für das Festival Kaiserfeld der Intro-Graz-Spection auf die Bühne des gleichnamigen Cafés stellte, sein Publikum. Ein Affe, ein Monolog, das Publikum? Richtig, das hatten wir schon mal. Doch Gads Affe erstattet nicht - wie Kafkas Tier - einen Bericht für eine Akademie, er ist selbst die Akademie. Der Affe ist ein Experiment mit einer Mutter aus Plüsch, der selbst zum Gelehrten wird, seinem Erfinder die Frau ausspannt und Arnulf Rainer auf die Idee bringt, Bilder zu übermalen.

  Max Gad, der Falter-Leserschaft als Kolumnist Mathias Grilj bekannt, spürt in seinem Monolog Grausamkeiten der (un-)menschlichen Seele auf, analog zur Intro-Graz-Spection, die seit 16 Jahren vergessene (Un-)Orte der Stadt aufsucht. Der Affe, der Schubert und das "Ave Maria" liebt, wird dem Menschen ähnlicher, je mehr er die Bestie raushängen lässt. Er wird selbst zur Metapher für den Künstler, der in Knechtschaft leben muss. "Menschensohn oder Affe Maria" ist der zynische Monolog eines Verzweifelten, der die Systeme, die seine Gesellschaft beherrschen, durchschaut ("Je höher ein Affe steigt, desto mehr zeigt er seinen Hintern"), aber gleichzeitig ohne sie nicht existieren könnte. Bernd Sracnik verleiht dem "Menschensohn" in Unterhose und weißem Mantel die grindige Gnadenlosigkeit, die er sich und anderen antut, während er über die Bar des Cafés klettert. Freilich: Monologe sind nicht gerade das, wonach die Theaterbesucher der Gegenwart gieren, aber eine Stunde lang kann man auch Freude an einem kompakten Text haben.


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