VOM GRILL

Freund-ups-schaft!

Steiermark Stadtleben | Mathias Grilj | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

Als in München ozapft war, hieß es am Rande der Wiesn, die Bierleichen sollten ihre ärztliche Behandlung gefälligst selber zahlen. Wer beim Oktoberfest seinen Rausch finanziert, solle auch fürs Kurieren aufkommen. Viele fanden das vernünftig. Ich aber, auch wenn ich inzwischen kein Bier nehme, bin erschüttert.

  In mir denkt der Schiller-Freund: Wer meinen Kopf hält, wenn ich kotze, und mir dann die gezeichnete Visage mit Klopapier abwischt, ist ein Genosse. Solche Dienste hab ich ihm auch schon erwiesen. Auf gegenseitige Hilfe können wir beide uns verlassen. So geht Leben, Urvertrauen und letztlich der ganze Schamott.

  In welche Richtung führt uns die neue, schäbige Centfuchserei? Wer raucht, soll höhere Krankenkassenbeiträge leisten? Dicke sollen für Flugtickets mehr zahlen als ein Suppenkaspar? Solche Denkübungen werden ja nicht von Satirikern angestellt. Statt solidarisches Leben zu erfahren, kriegen wir bald zu hören: "Trägst du den Mistkübel hinunter, Kevin?" - "Gern, Mama, wenn du mir zwei Euro zahlst."

  Nun etwas anderes: Grazer Medien predigen gesunde Lebensweise und vernünftige Ernährung. Einerseits. Andererseits bauen sie Typen wie Mateschitz und den McDonald's-Mac Mag. Sükar zu Vorbildern auf. Leute, deren fragwürdige Produkte jede gute Mutter, so sie nicht ballaballa ist, von ihren Kindern fernhält.

  Und?


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