Was heißt hören?

Extra | JÜRG STENZL | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

HELMUT LACHENMANN Die bei Wien Modern gespielten Werke des Komponisten bieten die Chance, in eine Musik einzudringen, die unseren Begriff von Musik mächtig erweitert hat. 

Musik hören. Das ist sehr schwierig. Ich glaube, dass das heute ein seltenes Phänomen ist. Man hört literarische Dinge, man hört, was darüber geschrieben wurde, man hört sich selbst in einer Projektion ... - das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken, die Intelligenz, die größtmögliche entäußerte Innerlichkeit. Das ist heute das Entscheidende." Diesen Worten aus Luigi Nonos Genfer Vortrag von 1983 entsprechen zentrale Sätze von Nonos ehemaligem Studenten Helmut Lachenmann: "Hören ist wehrlos ohne Denken. - Hören ist wehrlos ohne Fühlen. - Hören ist wehrlos - ohne Hören."

  Eigenartigerweise beansprucht das Hören nur einen marginalen Platz innerhalb der Schriftenberge, die über die Neue Musik seit 1950 erschienen sind. Gegen diese Musik zogen vor allem die Hüter des Gestrigen zu Felde:


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