Brachial? Vielgesichtig!

Extra | WALTER WEIDRINGER | aus FALTER 42/05 vom 19.10.2005

WOLFGANG MITTERER "Coloured Noise" nennt der Tiroler Komponist sein neues Ensemblestück, mit dem er den Erste Bank Kompositionsauftrag 2005 erfüllt - und das Klangforum Wien zu einer "Brachialsinfonie" anstachelt. 

Brachial, lässt uns der Duden wissen, das meint vor allem: rohe Körperkraft. Und wer Wolfgang Mitterer schon einmal live erlebt hat, etwa an der Orgel im Wiener Konzerthaus, der versteht, wie viel seine Klänge mit Kreatürlichkeit zu tun haben, mit Gliedern, Muskeln, Gelenken. Da geht es um lustvoll spontane Wildheit, Rebellion gegen gefühlsarme Kopfmusik, um das Aushebeln überkommener Hörgewohnheiten, um Saft und Kraft unmittelbaren, unverfälschten Ausdrucks. Eine befreiend-befreite Gegenwelt zu den längst nichtssagend gewordenen Klischees überfeinerter Musikkultur.

  Das stimmt alles - und ist doch falsch zugleich. Denn niemals drischt Mitterer wahllos ein auf Manual und Pedal, auf Laptop oder was auch immer. Bei seiner genialen Neuvertonung von Friedrich Murnaus


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige