VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 43/05 vom 27.10.2005

Beinahe hätte ich es übersehen, das Cover mit der - denkt man an die grassierende Vogelgrippenhysterie - prophetischen Coverzeile: "Toter Vogel Österreich". Nicht seiner Zeile wegen allerdings habe ich es lieb gewonnen, sondern weil es über die Jahrzehnte nichts von seiner Frische verloren hat. Die Grafik von Gregor Eichinger (Eichinger oder Knechtl) zeigte einen Mann mit Brille, der ein Glas Wasser trinkt. Dieses Bild wurde, für den Falter nicht ganz untypisch, in der damaligen Ausgabe nicht erklärt.

  Zu sehen war der Stadtrat Franz Nekula, der gerade ein Glas Wasser aus der soeben eröffneten Kläranlage Spittelau trank, um darzutun, wie hoch die Qualität dieses gefilterten Wassers sei. Wenig später erkrankte Nekula schwer.

  In der gleichen Ausgabe findet sich auch ein Interview, das Christian Reder mit dem Schweizer Künstler Alfons Schilling führte. Darin wurde Schillings damals wenig bekannte Rolle als Mitbegründer des Wiener Aktionismus thematisiert. Schilling hatte Brus und Mühl kennen gelernt und Letzteren in einer einzigen Nacht dazu gebracht, sein bisheriges Werk zu zerstören und in eine "Art Merz-Bau-Geisterbahn" umzuwandeln. Dann folgte eine interessante Passage, die heute noch ebenso spannend wie rätselhaft klingt: "Es gibt die Geschichte von einer Art Schlüsselerlebnis des Aktionismus auf einer Donaubrücke. Ist die inzwischen druckreif?", fragte Reder. Schilling: "Ich weiß nicht. Du meinst die Geschichte vom Sprung von der Eisenbahnbrücke? Vielleicht sollte man schlafende Hunde liegen lassen. Mut, physischer Mut war ja ein wichtiges Attribut des Aktionismus, das sich der Mühl vom Krieg herübergerettet hatte. Interessant war es schon, und ganz bestimmt ein Schlüssel."

  Das war noch lange nicht alles in diesem Falter; vom Interview, das Franz Schuh mit dem Szenefriseur Erich Joham machte, demnächst mehr. A.T.


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