STANDPUNKT

Humus für Blau

Politik | aus FALTER 43/05 vom 27.10.2005

Von den Genossen verschmerzte es Alfred Gusenbauer wohl am leichtesten, dass die hohen Erwartungen enttäuscht wurden. Der SP-Chef hat Gründe zur Freude. Erstens werden die Nationalratswahlen nun nicht als g'mahte Wiesn für die Sozialdemokraten gelten, was gut für die Mobilisierung von Funktionären und Wählern ist. Zweitens ist Michael Häupls Mandat zum Matschgern über den Parteivorsitzenden zumindest nicht größer geworden. Drittens steht jetzt endgültig fest, dass Gusenbauer SPÖ-Spitzenkandidat wird. Selbst wenn sich "Gusi" eine Pannenserie leistet: Die Kritik am Parteichef wird nun kaum eine solche Dynamik erzeugen, dass sich Häupl doch noch dazu bewegen lässt, selbst das Ruder zu übernehmen. Diese Variante war schon vor der Wahl unwahrscheinlich, jetzt ist sie ganz vom Tisch. Das kann Vor- und Nachteile haben. Einerseits gibt Häupl den besseren Entertainer ab, leistet sich weniger Fehler und beweist im Umgang mit Menschen eine größere soziale Intelligenz als der mitunter schnoddrige Gusenbauer. Andererseits ist Gusenbauer wohl ambitionierter und konfliktfreudiger als der harmoniesüchtige Bürgermeister. Außerdem hat Rot-Grün unter ihm eine größere Chance als unter Häupl, der die SPÖ vermutlich in eine große Koalition führen würde. Und die wäre der beste Humus für üppiges Gedeihen blauer Rechtspopulisten. G. J.


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