Österreich neu denken

Politik | WOLFGANG KOCH | aus FALTER 43/05 vom 27.10.2005

NEUTRALITÄT Ein überzeitliches Österreichertum hat nie existiert. Die Neutralität, die nun seit fünfzig Jahren besteht, ist das einzige vernünftige Selbstverständnis, zu dem die Nation je gefunden hat. 

Wozu noch Österreich?", hat der Journalist Peter Pelinka 2002 gefragt. Das provokant gemeinte Buch ruht bleischwer in den Regalen der Diskonter.

Darf ein aufklärter Mensch stolz sein auf seine Nation? Da man nicht von Kritik allein lebt, bin ich das durchaus, und zwar auf Psychoanalyse, Rotes Wien, den Glanz des Barock und den Lärm des Wiener Aktionismus, exzellent gekelterte Burgenlandler nicht zu vergessen. Zugegeben, am Parcours der politischen Geschichte stolpert der Nationalstolz. Aber auch hier wird man dieser Tage fündig: "50 Jahre österreichische Neutralität" ist ein absolut erfreuliches Jubiläum.

Die Beschlussfassung der "immerwährenden Neutralität" war kluger Rat aus zwei Globalkriegen; dem Habsburgerwahn mit seinen zehn Millionen und dem NS-Terror mit seinen 55


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