Die Macht der Gewohnheit

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 43/05 vom 27.10.2005

THEATER Thomas Bernhard hat wieder Saison: "Vor dem Ruhestand" im Volkstheater, "Der Ignorant und der Wahnsinnige" in der Josefstadt. 

Als Thomas Bernhard im Februar 1989 seiner lebenslangen Lungenkrankheit erlag, hinterließ er eine testamentarische Verfügung, wonach seine Texte in Österreich bis zum Ende der urheberrechtlichen Schutzfrist - also siebzig Jahre lang - nicht mehr inszeniert werden dürfen. Nur sieben Jahre später wurde das Verbot von der neu gegründeten Thomas-Bernhard-Stiftung aufgehoben, und die Wiener Bühnen ließen sich nicht lange bitten. Nicht weniger als zwölf BernhardInszenierungen wurden in der Zwischenzeit herausgebracht, wirklich überzeugend waren nur wenige. Das gilt auch für die beiden jüngsten Versuche, die innerhalb weniger Tage Premiere hatten: "Vor dem Ruhestand" im Volkstheater, "Der Ignorant und der Wahnsinnige" in der Josefstadt.

  "Vor dem Ruhestand", uraufgeführt von Claus Peymann 1979 in Stuttgart, war Bernhards Kommentar zur Affäre um

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