NEUERSCHEINUNG

Die leere Utopie

Steiermark Kultur | aus FALTER 43/05 vom 27.10.2005

Im Rahmen des Literatursymposions "Havanna virtuell", einer Koproduktion der Minoriten, der Literaturzeitschrift Lichtungen, des steirischen herbstes und der Kulturvermittlung Graz, haben vergangene Woche (exil-)kubanische Schriftsteller über Politik, Kultur und Gesellschaft auf der revolutionären Karibikinsel diskutiert. Zeitgleich mit dem Symposion ist bei Leykam auch der Essayband "Die leere Utopie" erschienen, herausgegeben von Carlos Aguilera, der 2003 und 2004 als überaus umtriebiger "writer in exile" in Graz gewirkt hat. Die Essays untersuchen die vielschichtigen Beziehungen zwischen kubanischem Staat und Intellektuellen in unterschiedlichen Epochen der postrevolutionären kubanischen Geschichte. Die entscheidende Frage sei, so Aguilera im Vorwort, wie es möglich gewesen sei, dass der intellektuelle Raum den totalitären Raum der Insel unterstützt habe. Dass zum Beispiel hundert "Intellektuelle" im Jahr 2003 die Verhaftung von 75 Dissidenten, die Haftstrafen bis zu 28 Jahren erhielten, in einem offenen Brief rechtfertigten. Und damit die Repressionspolitik eines Regimes unterstützten, das Konzentrationslager hervorgebrachte habe - in La Cabana hatte Che Guevara persönlich Erschießungen angeordnet -, oder das für die Stationierung von Atomraketen in den Sechzigern verantwortlich gewesen sei.

Carlos A. Aguilera (Hrsg.): Die leere Utopie. Graz 2005 (Leykam). 208 S., E 18,90


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