Graz-Legende

Steiermark Kultur | HERMANN GÖTZ | aus FALTER 43/05 vom 27.10.2005

THEATER Die Neubearbeitung von Gert Jonkes "Damals vor Graz" am Grazer Schauspielhaus ist Textmusik über eine Stunde der wahren Empfindung. 

Der Dichter steht am Bahnhof herum, er träumt sich in die Vergangenheit, erinnert sich an seine Sehnsucht nach einem ganz mit Literaturhauptstadtattributen ausgestatteten Graz der 1960er-Jahre, das für ihn, einer Fata Morgana gleich, nie erreichbar war. So weit, so kafkaesk der Einstieg in die Handlung. Dann geht es aber doch um eine Liebesnacht, eine flüchtig-intensive Begegnung im Schlafwagen, die zwei Menschen zusammengebracht und wieder auseinander gerissen hat. Als Metapher für die Möglichkeit einer unmöglichen Liebe steht hier Graz, diesmal nur eine - scheinbar beliebige - Zugstation. In Graz wollten sich die Liebenden wieder sehen. Daran, dass dies naturgemäß nie geschehen ist, beißen sich die zornig-lyrischen Dichtersätze fest.

  Erzählt wird das alles jedoch nicht vom Dichter (Otto David), der die Handlung poetisch kommentiert,


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