STANDPUNKT

Brennen, brennen!

Politik | aus FALTER 44/05 vom 02.11.2005

Dass ein Hackler, der jeden Tag auf der Baustelle buckelt, dort nicht mit 65 tot umfallen soll, darin sind wir uns alle einig. BZÖ-Sozialministerin Ursula Haubner hat dazu die neue Schwerarbeiterregelung präsentiert, die Menschen in harten Jobs einen früheren Pensionsantritt ermöglichen soll. Diese Verordnung ist nichts anderes als ein kleines Geschenk der ÖVP an den Koalitionspartner, damit der in der Pensionsreform zumindest irgendwas für den kleinen Mann verkaufen kann. Bloß wird der Hackler dem BZÖ bei diesen Ideen was pfeifen. So gilt nach Haubners Plänen allen Ernstes der Kalorienverbrauch als primäres Kriterium: Männer müssen bei ihrer Arbeit 2000 Kalorien, Frauen 1400 verbrennen. Was absurd ist, weil ein 100-Kilo-Bär bei der gleichen Leistung mehr verbraucht als ein junger dünner Spund. Laut Verfassungsrechtler Heinz Mayer würde dieser Passus auch den Gleichheitsgrundsatz verletzen. Ganz zu schweigen von dem Problem für jeden Betroffenen, lange zurückliegende Schwerarbeit nachzuweisen, wie es die Regelung verlangt. Auf diese Art bleiben die Hackler wieder über, die nach einem harten Arbeitsleben jahrelang vor Gericht um die nötigen Schwerarbeitsjahre kämpfen müssen. Aber vielleicht passen diese Hürden der Regierung ja auch gut in den Kram: Damit es jährlich nicht mehr als die geplanten fünf Prozent Schwerarbeiter gibt. J. O.


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