Kommentar

Viennale: Sündige Vergnügungen

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 44/05 vom 02.11.2005

Festivals stehen dem Surrealen näher als dem Alltag, ihr Eventcharakter gehört zu ihren größten Stärken und größten Schwächen zugleich. Er ermöglicht schier Unmögliches, etwa dass ein Zehnstundenfilm vor ausverkauftem Haus laufen kann, aber er begnügt sich auch damit, einmaliges Ereignis und im Wesentlichen folgenlos zu bleiben. Die verschiedenen Bilanzmeldungen der letzten paar Tage sprechen für sich: Während international die Kinozuschauerzahlen gegenüber September des Vorjahres um zwanzig und mehr Prozent zurückgegangen sind, verzeichnet das soeben zu Ende gegangene Wiener Filmfestival Viennale einen neuerlichen Besucherrekord.

Natürlich hat die Kinokrise mit der Viennale genauso viel oder wenig zu tun wie deren Auslastung mit der Qualität des gezeigten Programms. Schon mehr ins Gewicht fallen da gewisse Standards, die ein Festivalbetrieb auf sich nehmen muss, will sein Besuch sich von dem eines Multiplex tatsächlich unterscheiden: makellose Technik, unerschütterliches


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