Das Maßband der Fantasie

GERHARD MIDDING
Kultur, FALTER 44/05 vom 02.11.2005

FILM Mit der Schau "Bonjour Cinéma" würdigt das Filmmuseum den französischen Filmpionier Jean Epstein und das Kino der Zwanzigerjahre. 

Als die Cinémathèque française im September ihr neues Domizil in der Rue de Bercy im Pariser Osten bezog, waren nicht wenige Besucher erstaunt über die Namen, die man den Kinosälen gegeben hatte. Dass die beiden größten den Gründern Henri Langlois und Georges Franju gewidmet sind (und ein kleinerer ihrer Mitstreiterin Lotte Eisner), musste niemanden verblüffen. Aber der Namensvetter des drittgrößten, angemessen intimen Saals ist ein heute nahezu Unbekannter. Dabei hatte sich Langlois schon lange vor dessen Tod im Jahr 1953 um die Rehabilitation von Jean Epsteins Werk bemüht, eines Protagonisten und Vordenkers der "ersten" Avantgarde des französischen Kinos.

  Mithilfe von Jeans Schwester Marie, die selbst Szenaristin und Regisseurin war und später eine der engsten Mitarbeiterinnen Langlois' werden sollte, entriss er dessen Filme bereits

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