SPIELPLAN

Kultur | PETER FUCHS | aus FALTER 44/05 vom 02.11.2005

Vier Freundinnen plaudern sich durch amouröse Erlebnisse sowie Höhen und Tiefen des urbanen Lebens. Die eine ist sexuell aufgeschlossen, die andere lieb konservativ, die dritte zynisch-intellektuell und die vierte romantisch mit anhaltendem Liebeskummer. Klingt bekannt, oder? Der Abend heißt aber nicht "Sex and the City", sondern "Chicks and Dicks" (bis 19.11. im Ensemble Theater, danach bis 12.12. im Theater Brett). Wie in Manhattan gehen die Frauen auf Schwanzfang, schälen Stecher aus niedlichen Superman-Slips, pflegen wunde Stellen mit Kamillentee und werden stutenbissig, wenn sie im selben Revier jagen. Das Ensemble agiert deftig-unterhaltsam, auch wenn die Pointenmechanik weniger gut schmiert als in der TV-Vorlage. Was jedoch ist der Mehrwert einer Bühnenfassung? Die Erweiterung um Themen wie Langzeitarbeitslosigkeit wird leider von deutschsprachiger Theaterschwermut überschattet. Wem es gefällt, der erfreut sich aber am fast textilfreien Spiel eines wohlgeformten Kondom-Modelmanns.

Oma ist böse, denn "Oma frisst" allen alles weg. Die Gruppe daskunst zeigt die bitterböse, tiefschwarze Sozialkomödie nach der Premiere im Dschungel noch am 17.11. in der VHS Schwendergasse und am 25.11. im Theater Akzent. Oma hat auch einen superdicken Popo, schimpft alle "Deppata", spuckt bei Widerrede und verteilt Kopfnüsse. Die türkisch-jugoslawische Familie, in der auch Polenwitze gerissen werden, steht vor dem finanziellen und psychischen Zusammenbruch. Die Oma muss weg. Man will sie zuerst auf den Strich schicken, dann sogar verheiraten, am Schluss vergiften. Ob sich das Problem löst? Die Darsteller engagieren sich hochmotiviert in körperbetontem Slapstick und schreien sich die Sorgen aus dem darbenden Leib. Höhepunkte sind, wenn die dicke Oma grazil mit einem Luftballon als Charlie Chaplin/Adolf Hitler tanzt. Oder Exekutoren mit Martial-Arts-Techniken in Zeitlupe abgewendet werden. Bei jungen Leuten ab 16 Jahren wird das sicher für viel Gesprächsstoff sorgen.


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