Fragen Sie Frau Andrea

Taucherausrüstung

Stadtleben | aus FALTER 44/05 vom 02.11.2005

Liebe Frau Andrea,

bevor sie aus dem kollektiven Gedächtnis verschwindet, würde ich gerne eine Invektive Ihrem Archiv überantworten und sie dadurch vielleicht doch noch vor dem Vergessen bewahren. In meiner Kindheit in den Sechzigerjahren gab es die ebenso poetische wie kryptische Beschimpfung "Klomuscheltaucher mit Spaghettiausrüstung". Insbesondere der zweite Teil dieser sympathischen Spöttelei bedarf einer Erklärung. Können Sie diese liefern? Mit devoten Grüßen, stets der Ihre,

Georg Raimund, 1020 Wien

Lieber Georg,

Schimpfwörter, die auf sich halten, brechen stets ein Tabu. Dem Klomuscheltaucher mit Spaghettiausrüstung gelingt dies auf raffinierte Weise gleich mehrmals. Vordergründig ist da mal die hygienetechnisch bedenkliche Vorstellung vom Tauchen im Klo. Dahinter versteckt sich, gut getarnt, antipazifischer Rassismus, es geht nämlich gegen den Muscheltaucher, den "Bimbo der Meere". Der zweite Teil der Entschwichtigung schließlich richtet sich gegen unsere südlichen Nachbarn, die Italiener, schimpfworttechnisch reduziert auf ihr Leitgericht, die Spaghetti. Die Ausrüstung mit dünner Nudel könnte sich also auf die aus westdeutsch/österreichischer Sicht als mangelhaft und billig wahrgenommenen Freizeitprodukte italienischer Sportartikelerzeuger beziehen, meint aber, ganz bildlich, die weißen Borsten jenes Instruments, das als Klomuscheltaucher schlechthin verstanden werden darf: die Klobürste nämlich.

dusl@falter.at


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