VOM GRILL

Vergessen Sie's!

Steiermark Stadtleben | MATHIAS GRILJ | aus FALTER 44/05 vom 02.11.2005

Onkel Oskar, der kleine Bruder meiner Großmutter, war ein begnadeter Witzeerzähler. Damit hat er sich Ärger eingehandelt. Als er nach der Magenoperation im Saal mit vierzig Betten pausenlos Witze erzählte, sind die frisch Operierten fast gestorben vor lachen. Widerwillig. Zweien sei, so die schöne Legende, die OP-Naht geplatzt. So war mein Onkel. Als er dann selber gestorben ist, hielt ihm seine Frau zwar die Hand, aber es ist ihr kein Witz eingefallen.

  Was wollte ich eigentlich erzählen? Dass er einmal in der Herrengasse fast verhaftet wurde, weil man ihn für einen Spion hielt? Oder wie ihm slowenische Kommunisten die Fabrik weggenommen haben? Und wie er bei diesem Prozedere kommunistische Nasen zerschlug?

  Ich komme aus einem tapferen Stamm von Verlierern.

  Vielleicht war das Thema dieser Glosse, dass mein Großvater einem Schweinehund ein Ohr weggeschossen hat. Der wollte meine damals noch unbefruchtete Großmutter vergewaltigen. Großvater kam vorbei, schoss gut und schlug den Schurken in die Flucht. "Wie hast du das mit dem Ohr geschafft?", fragte ich zirka fünfzig Jahre später voller Ehrfurcht. "Ganz einfach", sagte der Held, "ich hab auf die Stirn gezielt."

  Was wollte diese Glosse überhaupt? Wo ist ihr Ausgang? Ich habe es, verzeihen Sie bitte, vergessen. Vergessen Sie es auch, machen Sie sich einen schönen Tag. Das geht.


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