Aus Burg und Oper


ARMIN THURNHER
Vorwort | aus FALTER 45/05 vom 09.11.2005

SEINESGLEICHEN GESCHIEHT Da staunt die Opposition: Am Ende des Gedankenjahrs gewinnt die ÖVP die kulturelle Oberhand.

Wundersam, wie die ÖVP die kulturelle Hegemonie im Lande zurückgewann. Es triumphiert, was ihr Unterrichtsminister Heinrich Drimmel in den 1950er-Jahren "repräsentativen Kulturalismus" nannte. Noch immer trägt ihn die Partei im Herzen. Die Lippenbekenntnisse zu creative industries und dergleichen Schmonzes täuschen niemand, die sind keine Herzensangelegenheit, schon gar nicht bei den Industriellen, die das alles zahlen. Gegenkonzepte? Auf dem Papier gibt es sie vielleicht, aber wem in der Sozialdemokratie oder bei den Grünen ist so etwas wie Kulturpolitik ein Anliegen?

Bei Machtwechseln in den Ländern kann man diesbezügliche Verlegenheiten bemerken. Man weiß nicht, was man anders machen könnte, es geht allenfalls um andere Gewichtungen von persönlichen Vorlieben. Kulturpolitik, auch das eine Hinterlassenschaft des sogenannten Gedankenjahrs, ist ein toter Hund.

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