Österreich allein zu Haus

Politik | ARMIN THURNHER | aus FALTER 45/05 vom 09.11.2005

Zeitgeschichte In seiner Geschichte der Zweiten Republik schildert der Historiker Oliver Rathkolb pointiert das österreichische Leiden. Ohne daran zu leiden, liefert er die europäische Perspektive dazu. 

Oliver Rathkolbs Nachkriegsgeschichte präpariert österreichische Paradoxa anhand von zehn "Längsschnitten" heraus. Diese naturwissenschaftliche Terminologie geht zu jener Österreich-Beschimpfung auf Distanz, die bereits Gefahr läuft, zur Folklore zu werden. Was in den Achtzigerjahren noch provozierte (Stücke wie Thomas Bernhards "Heldenplatz" oder Elfriede Jelineks "Burgtheater"), sei "inzwischen teilweise schon Bestandteil der nationalen Herzeigekultur geworden: Letztlich liebt der österreichische Solipsismus Erfolg und unternationale Anerkennung, selbst wenn sie auf Österreich-Kritik aufbauen." Solipsismus, ein weiterer Schlüsselbegriff Rathkolbs. Diese krankhafte Ichbezogenheit schließt jede andere Art, die Welt zu sehen, aus.

  Rathkolb leitet den Austrosolipsismus aus


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