AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 45/05 vom 09.11.2005

"das große deutsche verschrobenheitsgedicht - hier naht es / mit der walzkraft einer dommel." Der Berliner Lyriker Ulf Stolterfoht ist eine harte Nuss. Zu anstrengend, zu abstrakt, urteilen viele Leser - nicht ganz zu Unrecht, denn die Lektüre belohnt vor allem diejenigen, die bereit sind, ein verstiegenes Kompositionsprinzip zu enträtseln, und das kann schon ein paar Tage Kopfzerbrechen in Anspruch nehmen. Die Fachgemeinde hingegen ist hin und weg von Stolterfohts präzisen Wortsysteme, die den Gesetzen und Funktionsweisen der Kommunikation sprachhistorisch, philosophisch und vor allem so komplex auf den Grund gehen, wie es dem Thema entspricht. "Fachsprachen" nennt der Außenseiter unter den wichtigen Gegenwartsdichtern sein bis zu den Folgen XIX - XXVII vorangetriebenes Großprojekt, das an der Oberfläche vorexerziert, wie ein Text entsteht, und zwischen den Zeilen die fragile Interaktion zwischen Autor und Adressat beschreibt - quer durch die Zivilisationsgeschichte. Stolterfoht


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