Fragen Sie Frau Andrea

Trickern und Krachen

Stadtleben | aus FALTER 45/05 vom 09.11.2005

Liebe Frau Andrea,

die Wiener Drogenszene birgt eine Vielzahl wunderschöner Redewendungen und Wörter. Zwei Fragen wirft folgendes Wort auf: trickern (vereinzelt auch "triggern" geschrieben). Gemeint ist der spezifische Rauschzustand (physisch wie psychisch) in Folge des Konsums sedierend wirkender Substanzen wie Opiaten oder Benzodiazepinen (als Beispiele seien hier das "Roiperl" und die "Praxln" genannt). Woher stammt der Ausdruck, und wie lautet eigentlich die korrekte Schreibweise?

Benedikt Friedel,

Kulturbeauftragter der sozialmedizinischen Drogenberatungsstelle Ganslwirt

Lieber Benedikt,

Milieus am Rande unserer Gesellschaft bewahren alte Ausdrücke und haben gleichzeitig ein ausgesprochen großes Talent, neue in die Welt zu setzen. Wir alle kennen Szenebegriffe wie chillen und turnen, abhängen und es sich voll zu geben. Diese Ausdrücke sind aus diversen großstädtischen Drogenszenen in unsere Alltagssprache ausgebüchst. Nicht anders wird es mit Trickern sein, das nach meinem Daführhalten vom wienerischen Ausdruck "trickern", also trocknen, trocken werden, kommt. Das deutsche Wort trocken ist mit dröge verwandt, das die Nebenbedeutung langweilig, fade transportiert. Die Droge selbst ist eine Entlehnung des arabischen "turuq", Weg, Mittel. Das Gegenteil vom Trickern ist das Krachen. Beiden Ausdrücken prophezeie ich eine blendene Karriere in der Alltagssprache.

dusl@falter.at


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