Eine unsensible Republik

Politik | DANIELLE RENON | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

FRANKREICH Die gewaltigen Ausschreitungen in den Vorstädten sind der französischen Tradition der sozialen Kämpfe nicht fremd. 

Es brauchte nicht viel zur Explosion: Als am 27. Oktober zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren im nordöstlichen Vorort Clichy-sous-Bois (Departement Seine-Saint-Denis) starben, gingen die Ausschreitungen in den Pariser Vorstädten los. Ob die beiden Burschen Boyne Traore und Zyed Benna, die vor der Polizei in eine hochgefährliche Stromanlage geflüchtet sind und dort verbrannten, von der Polizei verfolgt wurden oder nicht, muss nun die Justiz klären. Die sogenannten "Vorstadtjungen" ("les jeunes des banlieues") haben mit einem reflexartigen Solidaritätsgefühl für die Kumpel und einer lang angestauten Wut gegen die Polizei bereits auf ihre Art reagiert. Über Nacht hatte die Gewalt die nächste Gemeinde, Montfermeil, erreicht, und sich bald wie ein Lauffeuer bis in die Provinzstädte verbreitet.

  Zwei Tage zuvor, am 25. Oktober, hatte der französische


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