Schuld ohne Sühne?

WOLFGANG LUEF | Politik | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

JUSTIZ Der Fall Cheibani Wague zeigt: Wenn Polizisten wegen Tötungsdelikten vor Gericht stehen, zeigt die Justiz Milde. Das Gesetz schreibt es den Richtern so vor. 

Dieser Vorfall lässt keinen unberührt", sagt Richter Gerhard Pohnert, bevor er sein Urteil begründet. Er spricht vom Kaprun-Prozess und davon, dass für den Tod von Menschen oft niemand verantwortlich gemacht werden kann. Das österreichische Strafrecht, sagt Pohnert, "ist nicht vom Gedanken der Sühne beherrscht". Es klingt, als ob er sich schon im Vorhinein gegen Kritik rechtfertigen wollte. Pohnert verhandelte den Chebaini-Wague-Prozess. Der Mauretanier ist 2003 bei einer Amtshandlung unter den Füßen von Polizisten und Sanitätern gestorben (siehe Kasten). Todesursache: Herzstillstand, ausgelöst durch den Druck auf Brustkorb und Rücken. Nach neun Verhandlungstagen verurteilt Pohnert den Notarzt und jenen Polizisten, der am festesten zugedrückt hat. Beide bekommen sieben Monate bedingte Haft. Die anderen acht Angeklagten

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