Hitler als Longseller

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

RECHTSEXTREMISMUS Eine große Buchkette verkauft Adolf Hitlers "Mein Kampf". Darf man denn das? 

In der Zeitgeschichte-Abteilung der großen Bücherkette Thalia, gleich zwischen "Gespräche mit Albert Speer" und "Die SS" liegt es: Adolf Hitlers "Mein Kampf". Abgedruckt sind darin "neben den autobiografischen Passagen und den Ausführungen zur Frühgeschichte der NSDAP vor allem jene Stellen, die Hitlers Weltanschauung widerspiegeln und seine praktische Politik maßgeblich bestimmt haben". Thalia habe das Buch "in allen größeren Standorten offensiv lagernd", sagt Zentraleinkäufer Ernst Rupp, "es wird auch regelmäßig gekauft und ist sozusagen ein Longseller". Um 15,50 Euro gibt es nun die Meinung des NS-Diktators zu "Kindheit - Jugend - Frontsoldat", "Raum im Osten" oder "Weltanschauung und Völkermord" in Buchform zu kaufen. "Es ist eine historisch-kritische Ausgabe aus einem absolut seriösen Verlag, da habe ich überhaupt kein Problem", meint Rupp. Aber ist es nicht trotzdem nach dem NS-Wiederbetätigungsgesetz untersagt, dieses nationalsozialistische Propagandawerk unters Volk zu bringen? "Hitlers Bekenntnisbuch Mein Kampf' darf heute in Deutschland nicht publiziert werden", schreibt Herausgeber Christian Zentner selbst in seinem Vorwort. Und in Österreich? "Eine Veröffentlichung dieses Buches ist erlaubt, wenn es sich dabei um eine kritische Auseinandersetzung handelt", sagt der Sprecher von Justizministerin Karin Gastinger, "nur wenn so ein Buch Hitler oder den Nationalsozialismus verherrlicht, fällt dies unter NS-Wiederbetätigung, und das ist verboten."


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