AUFGELEGT

NICOLE STREITLER | Kultur | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

Klar, dass im Stifter-Jahr 2005 auch der Hörbuchsektor nicht schläft. Den "Nachsommer" oder gar "Witiko" auf CD, das könnte allerdings höchstens ein Michael Köhlmeier schaffen. Die profane Hörbuchindustrie beschränkt sich stattdessen auf die Erzählungen des berühmten Linzers aus Böhmen.

  "Brigitta", zweifellos eine der stärksten Novellen von Adalbert Stifter, gelesen von Karl Menrad, kann man jetzt bei GoyaLit erwerben. Kaum ein Stifter-Text vermag derart in seinen Bann zu ziehen wie dieser. Die Geschichte von der hässlichen Brigitta und ihrer großen Liebe, die sich über Jahrzehnte auch ohne ehelichen Beischlaf erhält, ist eines der berührendsten Dokumente der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts. Stifter spannt darin den novellistischen Erzählbogen in geradezu Kleist'scher Manier. Menrad, den man aus dem Burgtheater oder auch aus "Schlosshotel Orth" kennt, ist ein solider Sprecher, dem man allerdings mitunter einen rauen Hals wünschen würde, damit die Sache

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