Der Schlachter sieht alles

DREHLI ROBNIK | Kultur | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

FILM Mit "Caché" verstrickt Michael Haneke uns in die Feedbackschleifen eines mysteriösen Krimidramas, in dem sich postkoloniale Schuldgefühle über alle Grenzen hinweg ausbreiten. 

Wenn ein Film "Caché" heißt, also "versteckt" oder "geheim", dann ist zu erwarten, dass Verstecktes gefunden und ein Geheimnis gelüftet wird. Mit diesen Erwartungen spielt die Inszenierung von Anfang an: Wer also ist jener geheimnisvolle Unbekannte, der eine gutbürgerliche Pariser Kleinfamilie durch Zusendung von Kinderzeichnungen blutender Figuren und von Videobändern terrorisiert?

  Es beginnt mit einer Aufnahme des Familienhauses, darüber der Vorspann. Das Bild steht weiter da, streng, starr, ereignislos; dann beginnen zwei Stimmen aus dem Off es zu kommentieren, und plötzlich gerät es in Bewegung, wird im Suchlaufmodus aus seiner Normalität gerissen. Wir haben, so stellt sich jetzt heraus, aus der Sicht des bestürzten Ehepaares auf eine jener beunruhigenden Videobotschaften geschaut, die deren

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