Spiegel ohne Bild

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

LITERATUR Der Theaterregisseur Luc Bondy hat sein zweites Buch geschrieben: Prosaskizzen aus dem Leben eines sensiblen Egomanen. 

Es grenzt an ein Wunder, dass das Antlitz von Luc Bondy nicht von Schnittwunden entstellt ist. "Ich blicke ungern in den Spiegel, ich rasiere mich mit abgewandtem Gesicht", schreibt der Regisseur in seinem neuen Buch. "Ich ahne, dass dieses Gesicht jedem, der es betrachtet, meine inneren Regungen preisgibt: Schadenfreude, Eifersucht, Geilheit, Enttäuschungen, Neid und Eitelkeit ..."

  Wie sein literarischer Erstling ("Wo war ich?", 1998) ist auch Bondys zweites Buch eine lockere Sammlung von Prosatexten, die sich alle mehr oder weniger autobiografisch lesen lassen, wobei die Texte umso besser sind, je stärker der Autor sein Leben literarisiert. Das lange Kapitel etwa, in dem Bondy sich ungebrochen an seine Internatszeit in den Pyrenäen erinnert, ist der schwächste Teil des Buches; ein weniger prominenter Autor hätte diese ziemlich belanglosen Reminiszenzen


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