Fragen Sie Frau Andrea

Stanniol und Kaiser

Stadtleben | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

Liebe Frau Andrea,

seit einiger Zeit beschäftigt mich das Stanniolpapier! Vor allem die Frage, warum es nur noch Alufolie heißt, heute kaum noch Verwendung im Sprachgebrauch findet und von welchem Wort es abgeleitet wird. Ein Freund meinte, es sei ein Firmen- bzw. Eigenname gewesen. Stimmt das? Darauf gleich die nächste Frage: Begriffe wie Wettex (Schwammtuch), Martini (Vermouth) und vielleicht auch Stanniol haben als Überbegriff ihren Platz im Sprachgebrauch gefunden.Wie nennt man so einen Überbegriff? Vielen Dank und schöne Grüße aus der Wieden,

Florian Ortner

Lieber Florian,

Stanniol hat weder etwas mit Papier zu tun, noch kommt sein Name von irgendeiner Marke oder Firma Stanniol. Die dünne Metallfolie unterscheidet sich chemisch signifikant von der Aluminiumfolie, die, wie der Name schon sagt, aus Aluminium gewalzt wird. Stanniol hat seinen Namen über das italienische "stagnolum" von stannum, lateinisch für Zinn, bekommen und wird und wurde aus reinem Zinn hergestellt. Die rhetorische Figur, den Namen eines speziellen Produkts zum Begriff zu machen - also etwa zum Apfelsaft Obi zu sagen oder zum Klebeband Tixo -, nennt man Synekdoche. Beispiele solcher Synekdochen müssen gar nichts mit Industrieprodukten oder Konsumartikeln zu tun haben. So ist unser Begriff Kaiser eine Synekdoche, die sich vom Spitznamen eines gewissen Gaius aus dem Hause der Julier herleitet, eines gewissen Caesar, zu Lebzeiten Kaesar ausgesprochen.

dusl@falter.at


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