Mackie Messer

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 46/05 vom 16.11.2005

STADTMENSCH Hacken, Dolche, Degen, Samuraischwerter, Scheren, Kochmesser sowie Pflöcke, die man Zombies ins Herz treibt: Bernd Hofbauer ist seit zwanzig Jahren Wiens "Messerkönig". 

Bernd Hofbauer ist von seiner Arbeit buchstäblich gezeichnet. Die Kuppe des rechten Zeigefingers: weggerissen, angenäht, heute gefühlstaub. Der Ringfinger der linken Hand: Ein rotierendes Rundmesser hat Spuren hinterlassen. Die Innenfläche der rechten Hand: Die Spitze eines rasiermesserscharfen Dolches bohrte sich zwei Zentimeter unter die Haut, ins Fleisch hinein. Eine sehr blutige Geschichte. Hofbauer hat sich durch ungünstig platzierte Messerspitzen Nierenstiche verpasst, Normalität ist für ihn, sich die Fingerspitzen anzuritzen. Und schließlich: die Stirn, über die seitdem das Haar hängt. Als Hofbauer noch ein Lehrling der Messerschmiedekunst und noch längst nicht der "Messerkönig" war, flogen dann und wann die zu schleifenden Stahlscheiben aus Industriewurstschneidemaschinen durch die Lüfte.


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