STANDPUNKT

Rabenväter

Politik | aus FALTER 47/05 vom 23.11.2005

Sechs Kinder großgezogen und nebenbei noch eine prächtige Politikerkarriere hingelegt. So etwas verdient Bewunderung - anscheinend aber nur bei Männern. Nationalratspräsident und Sechsfachvater Andreas Khol darf stolz auf sich sein. Grünen-Vize Eva Glawischnig, die im Mai ein Kind erwartet, muss sich hingegen schon vor der Geburt ihres Babys im Interview mit Ö3-Tante Claudia Stöckl den Vorwurf gefallen lassen, eine "Rabenmutter" zu sein. Und das nur, weil sie das Gleiche will wie Khol, nämlich Kind und Karriere. Stimmt schon, Frauen kriegen die Babys. Aber das ist kein Grund, Müttern, die im Job bleiben wollen, ein schlechtes Gewissen zu machen. Auch Männer können Windeln wechseln, Flascherl wärmen und den Nachwuchs in den Schlaf wiegen. Und gerade dort, wo alle predigen, wie wichtig ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist, nämlich im Parlament, sollten es Mütter doch besonders leicht haben. Natürlich ist Spitzenpolitik ein Extremjob. Mit Unterstützung des Vaters und einem funktionierenden sozialen Netz ist aber selbst dieser Job mit einem Kind vereinbar. Überlassen jedoch weiterhin mehr als 95 Prozent der "Rabenväter" die Kinderaufzucht der Partnerin und gehen nicht in Karenz, zerreißt es Frauen auch künftig zwischen Kind und Karriere. Und die grüne "working mum" Glawischnig bleibt eine glückliche Ausnahme. N. H.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige