Knecht

Wo Grasser glücklich ist


Doris Knecht
Politik | aus FALTER 47/05 vom 23.11.2005

Das Kind ist der Meinung, es habe in der Straßenbahn einen Anspruch auf einen Sitzplatz, und es tut diese Meinung mit derart steinerweichendem Geheul kund, dass alte Damen sich auf ihren Gehstock stemmen, um dem Kind, 3, ihren Sitzplatz zu überlassen. Es ist unfassbar peinlich. Wir befinden uns auf dem Weg zu einem Weihnachtsmarkt, das hat sich die Elternstrafbehörde als Winterpurgatorium ausgedacht, denn die Sommerpurgatorien, a.k.a. Spielplätze, sind wegen Frostes geschlossen, und das ist zugegebenermaßen eine der miesesten Metaphern, in die ich je gestolpert bin. Weihnachtsmärkte haben zudem einen verschärften Torturfaktor, wie üblich zieht das Leben an einem vorbei, aber man sitzt dabei nicht auf einer sonnigen Bank, nein, man steht bibbernd und winkend am Rande eines Ringelspiels, einer Kinderbummelbahn und noch eines Ringelspiels, mit einem saublöden Grinsen, das einen zweifelsfrei als erziehungsberechtigt ausweist. Denn Erziehungsberechtigte sind glücklich, wenn ihre Kinder

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