Kommentar

Hermann Nitsch mit Schonbezügen

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 47/05 vom 23.11.2005

Es sind dann doch siebeneinhalb Stunden geworden. Am vergangenen Samstag ging im Burgtheater eine der längsten Aufführungen in der Geschichte des Hauses über die Bühne, zugleich die wahrscheinlich langweiligste. Erstmals durfte Aktionist Hermann Nitsch sein "Orgien Mysterien Theater" in einem richtigen Theater aufführen, obwohl es dafür gar nicht gemacht ist. Mit seinem in den Sechzigerjahren entwickelten OMT greift Nitsch noch auf die Zeit vor der griechischen Tragödie zurück: weg von der Sprache, hin zum kultischen Ritus, zur quasireligiösen Ekstase.

In der Früh waren neben dem Burgtheater die Karten für das Robbie-Williams-Konzert verkauft worden, sie gingen binnen kürzester Zeit weg. Auch der Nitsch-Gig war wenige Tage nach Beginn des Vorverkaufs ausverkauft, und das trotz Preisen auf Popkonzert-Niveau (75 Euro). Die 122. Aktion des OMT beginnt im Foyer: Einer der Akteure wird auf ein Kreuz gebunden und mit Blut besudelt, dazu spielen Pauken und Trompeten. Die Aktion dauert

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