SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 47/05 vom 23.11.2005

Der Nestroyhof ist historischer Boden: Ab 1928 gab es hier ein jüdisches Theater, das nach dem "Anschluss" geschlossen wurde; zuletzt wurde es als Supermarkt genutzt. Seit einiger Zeit stehen die desolaten Räumlichkeiten am Nestroyplatz leer, verschiedene Initiativen bemühen sich um eine Wiedergeburt als Theater. Aber auch die Ruine wurde schon als Spielort entdeckt: Derzeit wird dort Elfriede Jelineks "Stecken, Stab und Stangl" (bis 10.12.) gegeben. Das 1996 uraufgeführte Stück - eine Collage mit Zitaten aus der Kronen Zeitung und anderen Quellen - ist Jelineks höhnisch-verzweifelte Reaktion auf den Bombenanschlag von Oberwart. Tina Leischs Inszenierung ist politisch super korrekt, davon abgesehen aber hauptsächlich langatmig. Ein fast ausschließlich mit Migrantinnen besetztes Laienensemble müht sich knapp zwei Stunden lang in lustigen Kostümen durch den Text, der weitgehend "vom Blatt" inszeniert wurde. Dass das bei Jelinek zu wenig ist, sollte sich mittlerweile eigentlich herumgesprochen haben.

Die aktuelle Produktion im Schauspielhaus beginnt mit einer bedauerlichen Mitteilung: "Leider kann das Stück heute nicht stattfinden. Die Darsteller sind alle tot." Der Witz daran: Es handelt sich um Puppentheater. In seinem neuen Stück "Dead Puppet Talk" (bis 4.12.) beschäftigt sich der amerikanische Puppentheatermacher Roman Paska mit der philosophischen Frage, wie "lebendig" Puppen sein können. In einem Videovortrag wird das Thema theoretisch erörtert, auf der Bühne treten drei Spieler und zahlreiche, sehr schön gebaute Puppen zum praktischen Beweis an. Das Ergebnis fällt zwiespältig aus: Der Text ist intelligent und witzig, das Puppenspiel seltsam esoterisch und prätentiös. "Die Puppe ist für das Theater, was die Poesie für die Literatur ist: sein Gewissen und seine Seele", heißt es im Video einmal. Auf der Bühne ist davon leider wenig zu sehen. Eine Inszenierung, die sich selbst ad absurdum führt: Wenn das die Absicht war, dann ist der Abend gelungen.


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