Kollege "Blasen-Karli"

Steiermark Politik | THOMAS GELDMACHER | aus FALTER 48/05 vom 30.11.2005

ZEITGESCHICHTE Sterilisationen, Abtreibungen und medizinische Experimente an Zwangsarbeiterinnen: Die Grazer Universitäts-Frauenklinik arbeitet ihre NS-Vergangenheit auf. 

Der aus Hessen stammende Karl Ehrhardt übernahm im November 1939 den Lehrstuhl für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Graz. Er galt zwar als ausgewiesener Hormonspezialist, seine Fähigkeiten als Operateur waren offenbar aber eher bescheiden: Binnen weniger Monate starben sieben Frauen unter dem Skalpell des SS-Sturmbannführers. Eine Kommission, die diese Todesfälle untersuchte, kam 1942 zu dem Schluss, "dass dem Prof. Vorfälle beim Operieren unterlaufen sind", aber da Ehrhardt seine Kenntnisse unter anderem "durch fleißiges Üben an der Leiche" mittlerweile vervollkommnet habe, blieb er im Amt. Um 1943 setzte Ehrhardt seine Operationsversuche an Patientinnen fort. Als "Forschungsmaterial" dienten ihm dazu vorwiegend sogenannte Fremdarbeiterinnen, die zumeist wegen einer Zwangsabtreibung in die


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