Zornig und zart

CHRISTIAN TEISSL | Steiermark Kultur | aus FALTER 48/05 vom 30.11.2005

KABARETT Jörg-Martin Willnauer zeigt sich bei seinem Georg-Kreisler-Programm im Grazer Orpheum als virtuoser Verwandlungskünstler. 

Georg Kreisler ist nicht nur ein vielseitiger Künstler, sondern auch ein großer Unangepasster in einer Kultur eifrigen Anpasslertums. Seine Familie wurde 1938 vertrieben und fand ein Exil in den USA, wo er seine Lehrjahre verbrachte. Nach Wien zurückgekehrt, zehn Jahre nach dem Krieg, wurde er zu einem der Protagonisten einer neuen, fruchtbaren Kabarettära. Er eckte überall an - sein berühmtes Chanson vom "Taubenvergiften im Park" etwa war im ORF lange mit Sendeverbot belegt -, und so sah er sich bald gezwungen, nach Deutschland zu gehen, wo er mit seinen Programmen Erfolge feierte. Heute gilt er hierzulande als "lebende Legende", und etliche seiner Lieder sind Allgemeingut. Auch wenn er, inzwischen 83 Jahre alt, nicht mehr als ihr Interpret auftritt, scheinen sie untrennbar mit seiner Stimme verbunden zu sein. Umso schwieriger ist es wohl für jüngere

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