FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 48/05 vom 30.11.2005

Die "Desperate Housewives" haben uns verlassen und es bleibt keine Lücke in meinem Leben. Sehr seltsam, da habe ich ja sogar mehr gelitten, wenn eine dumpfbackig-kurzweilige "Sex and the City"-Staffel aus war. Dass das große Hausfrauen-Finale mit Morddrohungen und Ehebruch-Geständnissen einen so kalt lässt, liegt an der Blutleere dieser Serie, die so gerne abgründig sein will - die finsteren Geheimnisse hinterm weißen Gartenzaum und so. Dort in der Vorstadt sind die Gärten gepflegt, die Partys öd und die Männer dämlich/fad/impotent oder fesch wie der Klempner von nebenan. Die Ladys und ihre Leichen im Keller kommen so platt daher, dass man schon in der ersten Folge ahnen konnte, auf was das hinaus läuft. Kein Vergleich mit dem unglaublichen "Twin Peaks" - ein Fernsehereignis, dass uns gelehrt hat, wie das Grauen hinter der Kleinstadtidylle ausschaut. Ich sage nur Bob, der Dämon mit dem weißen Haar, Hauptdarsteller in meinen Albträumen Anfang der Neunziger. Schade für die Leute, die auf den "Housewives"-Hype reingefallen sind: die zweite Staffel wird laut US-Kritiken noch langweiliger.


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