Kommentar

Wien Modern: Botanik im Tempel

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 48/05 vom 30.11.2005

In den wilden Siebzigern hat Helmut Lachenmann den klassischen Konzertbetrieb als "wesentlichen Teil des bürgerlichen Verdrängungssystems" kritisiert. Seine scharfsinnige Argumentation hat bis heute nichts von ihrer Stichhaltigkeit verloren, dennoch relativierte der Komponist unlängst im Gespräch mit dem Falter (46/05) sein Urteil: Er habe nichts gegen die Klassiktempel, entscheidend sei nur das Niveau der Rezeption. Im "Tempel der Avantgarde" zu verbleiben liefe dagegen aufs Gleiche hinaus, "wie wenn sich ein reicher Haushalt ein exotisches Haustier hält". Anstatt also im Untergrund "als tolerierter Bürgerschreck herumzubotanisieren", gelte es vielmehr, die Musik der Gegenwart direkt neben jener der Vergangenheit zu etablieren.

Bei Wien Modern war Helmut Lachenmann heuer ein umfangreiches Porträt gewidmet. Die Festivalmacher Berno Polzer, Thomas Schäfer und Barbara Lebitsch haben seiner Musik in den Klassiktempeln ideale Aufführungsbedingungen geschaffen und ihrem Publikum so ein

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