"Gefühle sind obszön"

Kultur | GERHARD MIDDING | aus FALTER 48/05 vom 30.11.2005

FILM In "Les sSurs fachées" ("Zwei ungleiche Schwestern") spielt Isabelle Huppert wieder einmal Komödie. Ein Gespräch über Handwerker und Künstler, Licht und Dunkel, Rückenschmerzen und Regisseure. 

Drei Wangenküsse zur Begrüßung sind zu viel des Guten, zwei genügen vollauf: Martine (Isabelle Huppert) lässt schon am Bahnhof keinen Zweifel daran, dass sie ihre Schwester Louise (Catherine Frot) lieber auf Distanz hält. Deren provinzielle Lebensfreude verträgt sich schlecht mit ihrer noblen Pariser Verdrossenheit; und sei es nur für ein Wochenende. Kunstfertig befreit Alexandra Leclère diesen munteren Belagerungszustand von aller boulevardesken Mechanik: Die gegensätzlichen Schwestern müssen sich nicht rührselig annähern, vielmehr darf der Zuschauer sie allmählich in ihrer komplexen Gegensätzlichkeit entdecken. Mit Brio und Empfindsamkeit spielt Isabelle Huppert, im europäischen Autorenfilm sonst erlesen zwischen Aufruhr und Melancholie schwankend, ihre erste Komödienrolle


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